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Mord Gott Pöschl

Kino aus OÖ:
Religiöser Wahn und verbotene Liebe

Mit dem Kostümdrama „Das falsche Herz“ knüpft die Gruppe:Filmkunst an Recherchen des Theater Hausruck zur „Pöschlianer“-Sekte an. Im Rahmen einer Werkschau zeigt die Tabakfabrik Linz am 22. September 2012 den Film über eine Liebesbeziehung im Bannkreis von Fanatismus und Verbrechen.

Was 2010/2011 als Recherche des Theater Hausruck für eine Schauspielproduktion rund um den Themenkomplex, Religion, Aberglaube und Fanatismus begann, fand 2012 seine Fortsetzung als Filmprojekt. In ihrem Spielfilm „Das falsche Herz“ knüpft die oberösterreichische Gruppe:Filmkunst rund um Regisseur Cajetan Jakob an historischen Fakten an, die das Theater Hausruck Team unter Intendant Chris Müller zur Vorbereitung eines Historiendramas mit Gegenwartsbezug zusammengetragen hatte. Das Stück sollte die Geschichte der radikal-katholischen Sekte der Pöschlianer aufrollen, die anfangs des 19. Jahrhunderts vom fanatischen Kooperator Thomas Pöschl (1769 – 1837) gegründet wurde und in Ampflwang im Hausruck ihr Unwesen trieb. Pöschls Anhänger, vereint im fanatischen Glauben an das unmittelbar bevor stehende jüngste Gericht, steigerten ihren abstrusen religiösen Wahnsinn bis zur Raserei, die am Palmsonntag des Jahres 1817 in grauenhaften Ritualmorden gipfelte.

Das Drehbuch zu „Das falsche Herz“ verwebt das historische Material in die Geschichte einer verbotenen lesbischen Liebe zwischen einer Adeligen und einer Dienstmagd. Letztere gerät in die Fänge der mörderischen Sekte und ihres Endzeitwahns. Regisseur Cajetan Jakob und Produzentin und Kamerafrau Bettina Hutterer drehten zum Teil an Schauplätzen im Hausruck. In den zahlreichen Neben- und Statistenrollen wirkten Akteurinnen und Akteure des Theater Hausruck Laienensembles mit.

Derzeit gastiert der Historienfilm bei internationalen Arthouse-Festivals, unter anderem beim in Fachkreisen renommierten Louisville’s International Festival of Film in den USA. Gelegenheit, den Streifen hierzulande zu sehen, gibt es am Freiteg, 21. und Samstag, 22. September 2012 in der Tabakfabrik Linz. Deren künstlerischer Leiter Chris Müller, ehemaliger Intendant des Theater Hausruck, ermöglicht der Gruppe:Filmkunst eine kleine Werkschau im neuen Linzer Kulturareal. Neben „Das falsche Herz“ läuft auch die Vorgängerproduktion „Hurenkarussell“.

Cajetan Jakob und Chris Müller sind sich einig, dass die Kooperation zwischen Gruppe:Filmkunst und dem Theater Hausruck, zwischen Kino und Schauspiel fortgesetzt werden soll, möglicherweise im Rahmen eines genreübergreifenden Theaterprojekts rund um die „Pöschlianer“.

Gruppe:Filmkunst in der Tabakfabrik Linz

FR, 21. September 2012, 20:00 Uhr: Das falsche Herz
SA, 22. September 2012, 20:00 Uhr: Hurenkarusell
SA, 22. September 2012, 22:00 Uhr: Das falsche Herz

Detaillierte Informationen zum Film „Das falsche Herz“ und zur Gruppe:Filmkunst: www.gruppefilmkunst.com.

Die Pöschlaner. Das Theater Hausruck zwischen Aberglaube und Endzeitstimmung

Recherche für das Theaterprojekt „Die Pöschlaner“ (Arbeitstitel)
Das Theater Hausruck recherchiert momentan historische Quellen und Gegenwartsdiskurse für eine neue Theateruraufführung. Sie nimmt ihren Ausgang in einer regionalen Sektenkatastrophe des frühen 19. Jahrhunderts, als die von Ampflwang im Hausruck aus operierenden Anhänger des Kooperators Thomas Pöschl (1769-1837), die „Pöschlaner“, vereint im fanatischen Glauben an das unmittelbar bevor stehende jüngste Gericht und die Wiederkunft des Herrn, auch vor Mord und Totschlag nicht zurückschreckten. Das Theater Hausruck greift die Geschichte um religiösen Fanatismus, Endzeithysterie, um Glaube, Aberglaube und den schmalen Grat zwischen Gut und Böse auf und verwebt sie mit einem heute populären Weltuntergangsmythos. Die Rede ist von den Weissagungen des Maya-Kalenders, der 2012 das Ende der Zeiten beschwört. Schon jetzt überschwemmen dazu Bücher, Dokumentationen und Blockbuster den Markt – eine Stimmung, wie geschaffen für eine Produktion des Theater Hausrucks. Im Vorfeld des groß angelegten Theaterprojektes bedarf es einer fundierten Recherche historischer Quellen und einer eingehenden Auseinandersetzung mit dem Themenkomplex Glaube, Fanatismus, Religion, Endzeitstimmung. Aus der Fülle des Materials wird ein bekannter Gegenwartsautor ein abendfüllendes Stück destillieren, das im Hausruck zur Aufführung gelangt, begleitet von einem diskursiven Rahmenprogramm. Die Autorenverhandlungen sind zurzeit ebenso am Laufen wie die Suche nach dem bestgeeigneten Spielort in der Region.

Begleitet und unterstützt wird das Theaterteam durch den Alternativ-Interdisziplinär- Archäologen und Maya Sachverständigen Ing. Helmut Pürstinger.